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In eigener Sache – 20 Jahre Felzmann

Wie schafft es eine kleine feine Tischlerei in Wien zu diesem stolzen Jubiläum? Was war und ist wichtig für das Weiterkommen von Felzmann? Kommt der Erfolg weil Felzmann Designer ist? Oder geht es doch mehr um das Handwerk? Oder liegt es vielleicht an einem genialen Miteinander von beidem?

Ein paar „G’schichten aus der Pfeiffergasse“ zum Schmöckern und Schmunzeln finden Sie in der Jubiläums-Zeitung
20 Jahre Felzmann„.

Jubiläumszeitung     Die Jubiläumszeitung

Und hier ein paar Antworten und persönliche Gedanken – direkt vom Master und Meister Andreas Felzmann:

Ist Design die Butter und Handwerk das Brot?

„Design und Handwerk“, scheint wie schicker Aufputz, den sich ein Handwerksbetrieb in der Hoffnung gönnt, das staubig antiquierte Image des Handwerks los zu werden.  Zwanzig Jahre Berufserfahrung  geben eine klare Antwort: Das Tischlerhandwerk ist, und bleibt staubig! Der schickste Aufputz im Firmenwortlaut wird das nicht ändern, doch wer den Duft der Tischlerei schon einmal so richtig aufgenommen hat, der will ihn nicht mehr missen.

Design als unverzichtbarer Teil vom Handwerk

Es ist die Faszination des Handwerks, ob staubig oder nicht: Im Handwerk entstehen Tag für Tag aus Ideen Dinge. In meiner Tischlerei entstehen Tag für Tag individuelle Möbel. Möbel, die das Leben meiner Kunden verbessern und ihr Umfeld bereichern. Der Weg dorthin führt nur über Design, nicht als Aufputz, sondern als unverzichtbarer Teil im handwerklichen Alltag.

Warum mich das so beschäftigt?

Im Innersten meines Wesens bin vermutlich als Handwerker geboren und habe rasch erkannt wohin ich mich berufen fühle. Kurzer Hand habe alle akademischen Ambitionen sausen lassen und bin Tischlermeister geworden. Fasziniert von den Werken der alten Meister und der Überzeugung von dem, was Handwerk leisten kann und ich mit meinem Betrieb verwirklichen möchte: individuelle, kreative Lösungen für Kunden entwickeln und handwerklich umsetzen. Mittlerweile beschäftigt mich das Thema Design im Handwerk seit zwanzig Jahren. Ein Intermezzo an New Design University, samt akademischer Ehrung zum Master of Design, hat mich in meiner Ansicht bestärkt:

Die Zeit ist reif für handwerkliches Design.

Es darf nicht sein, dass die Industrie den Massenkonsum weiter ankurbelt und das individuelle Angebot des Handwerks vollständig verdrängt.

Was bedeutet nun Design und Handwerk im Alltag?

Wie ich es auch drehe und wende, nichts beschreibt Design und Handwerk so wie es sich in meiner berufliche Praxis darstellt. Erst ein Ausflug in prähistorische Zeiten, zum Zeitpunkt der Entstehung erster handwerklicher Gewerbeformen, hat mich auf einen schlüssigen Lösungsansatz gebracht.

Kundenorientierung: Keine neuzeitliche Idee

In den urzeitlichen Agrargesellschaften orientierte sich der frühe Handwerker ausschließlich am Bedarf seines Kunden. Über den Gestaltungsprozess, in dem der Bedarf des Kunden und das Spezialwissen des Handwerkers zusammenflossen, entstanden individuelle Produkte. Durch eine Vielzahl dieser Prozesse wurden Innovationen generiert und das Produkt, wie auch die Fertigungstechnik weiterentwickelt. Ein System, das bis in die Hochblüte des Handwerks, dem Biedermeier, erhalten geblieben ist und zweifelsfrei die Symbiose von Design und Handwerk bestätigt. Für Design steht die Innovation und Weiterentwicklung der Form, für das Handwerk die individuelle Umsetzung der Produkte und bedarfsbezogene Anpassung der Fertigungstechnik.

In die Gegenwart projiziert, besitzt dieses System unverändert Gültigkeit und ist das grundlegende Prinzip, nach dem Handwerk funktioniert.

Auch bei Felzmann – der Kunde als Sonne um die sich alles dreht

Ein Leitfaden, den ich seit Gründung meines Betriebs und der Auseinandersetzung mit dem handwerklichen Produkt verfolge:

Im Fokus steht da immer der Kunde, der individuell den Entstehungsprozess beeinflusst und maßgeblich Input für die endgültige Formgebung liefert. Quasi die Sonne, um die sich alles dreht – kein Markt, keine Zielgruppe, keine Alters- oder Bildungsschicht sondern eine reale Person. Alleine das persönliche Umfeld dieser Person, ihre produktspezifischen Vorlieben und NoGos sind für mich als Designer maßgeblich und Parameter beim Kreieren eines individuellen Designs.

Individualität – aber nur echte – ist, was zählt

Individuell, Adjektiv, das in Bezug auf Produkte leider viel zu oft als Schlagwort missbraucht wird, handelt es sich doch meist nur um ein starres Produkt, dem mit raffinierter Digitaldrucktechnik das Mäntelchen der Individualität übergestreift wird. Auch der mediale Hype um 3D-Druck und Industrie 4.0 ändert nichts an der Tatsache, dass bislang nur das Handwerk in der Lage ist, individuelles Design für Gebrauchsgüter umzusetzen.

Auf Seiten der Produktion, ist der Tradition im Handwerk hohe Achtung zu zollen, denn die Qualität der handwerklichen Arbeit eines Meisters ist Garant für eine nachhaltige Produktion von langlebigen Produkten.