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Was kostet die Welt

Was kostet die Welt?

Mit einem Stundensatz und der biblisch überlieferten Arbeitszeit von sechs Tagen – der siebte Tag war schon damals arbeitsfrei – fällt es nicht schwer, den Preis für die Welt zu kalkulieren. Ungeklärt sind leider die Materialkosten und vor allem der Stundensatz für einen göttlichen Erschaffungsprozess. Was die Welt wohl kostet bleibt so mathematisch ungeklärt, doch den Wert der Welt haben wir Tag für Tag vor Augen.

Im Handwerk hat man es mit erheblich weniger Unbekanntem zu tun, Materialeinsatz und Stundensätze sind mit mehr oder weniger Aufwand relativ leicht zu ermitteln. Geht’s um die Arbeitszeiten sind Erfahrungswerte und das Wissen über die einzelnen Arbeitsschritte gefragt. Spannend wird es aber bei der Anzahl der Handgriffe, die nötig sind, um eine simple Holzleiste soweit vorzubereiten, dass sie ihre vorgesehene Aufgabe in einem Möbel erfüllen kann. Grob zuschneiden, abrichten, hobeln, noch einmal auf exakte Länge schneiden, vielleicht noch profilieren.

Neun Arbeitsschritte

In jedem Fall muss geschliffen und unter Umständen lackiert, zwischengeschliffen und decklackiert werden – dann erst ist eine Leiste bereit für den Einbau. Neun Arbeitsschritte für ein recht einfaches Werkstück. Es geht aber oft noch viel aufwendiger, denke ich da nur an Schräges, Gekrümmtes oder an furnierte Teile. Bei klassischen Holzverbindungen scheiden sich die Geister, für viele gehören die in die Kategorie „unrationell“ – und trotzdem sind sie unerlässlich für ein gediegenes, langlebiges Produkt in Tischlerqualität.

Qualität oder „Murks“ – entscheidend sind das Team und die gelebten Werte

Es sind –zig Handgriffe und kaum einer ist dabei, der eine Toleranz an Qualität und Präzision zulässt. Die Kleinigkeiten sind es, die über Qualität oder „Murks“ entscheiden. Strebt man nach Höherem, der sprichwörtlichen Tischlerqualität, geht das nur mit dem ganzen Team. Es braucht dazu eine Wertehaltung, die von allen Beteiligten gelebt wird, um ein Produkt am Ende außergewöhnlich werden zu lassen. Materialwahl, Einsatz der Werkzeuge und Maschinen und als entscheidender Faktor die Fähigkeiten und, nicht zu selten, die Ausdauer der Handwerker. Eine Ausdauer, mit der Handgriffe in gleichbleibender Präzision ausgeführt werden, immer das fertige Produkt vor Augen und den Wert der Arbeit im Fokus. Wenn aus Skizzen, Plänen und Stücklisten ein Teil nach dem anderen entsteht und sich am Ende alles reibungslos zusammenfügt – ein unschlagbares Gefühl, wenn alles passt!

Nachhaltige Freude am Möbel

Ich zähle mich jetzt nicht zu den Esoterikern, aber irgendwie überträgt sich diese positive Energie dann auch auf das Produkt und bleibt für den späteren Nutzer spürbar. Eine nicht messbare Qualität, die ein Produkt tatsächlich nachhaltig macht. Hochwertige Materialien und aufwendige Verarbeitung (also Tischlerqualität) sind nicht alleine ausschlaggebend für die Lebensdauer der Dinge, die uns umgeben. Sie müssen einen Wert für uns haben, um nicht vorzeitig am Sperrmüll zu landen.

Was ist wem was wert?

„Es ist alles relativ“ – sagt die Physik. Genauer, das Relativitätsprinzip, das auf Galileo Galilei zurück geht und besagt, dass Größen nur relativ zur Beobachtungsperspektive messbar sind. Was denn sonst, ist da wohl der erste Gedanke der einem in den Sinn kommt. Nur im echten Leben verliert man so klare Gesetzmäßigkeiten leicht aus Blickfeld. Wenn es dann um Werte geht, die meist mit Emotionen in Verbindung stehen, wird es ganz schwierig. Was ist wem was wert? Galilei zu Folge ist diese Frage nicht zu beantworten. Trotzdem stecken wir ständig in dem Dilemma, unsere Leistungen bewerten zu müssen, speziell im Austausch mit anderen ist der Wert einer Leistung essentiell. Spätestens jetzt wird das Relativitätsprinzip von Galilei schlagend, die Bewertung der Leistung wird plötzlich aus einer anderen Beobachtungsperspektive vorgenommen – ein Clash scheint unvermeidbar, wäre da nicht die Fähigkeit der Menschen untereinander zu kommunizieren und ihre Werte (in welcher Form auch immer) auszutauschen.